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Die Angst vor den Feministinnen (Teil 1)

Linke Männer haben Angst vor Feministinnen – und wir müssen darüber reden. Auch diejenigen Männer, die es eigentlich ernst meinen mit Geschlechtergerechtigkeit, blockieren dadurch wichtige Veränderungen. Denn wer seine Ängste nicht anerkennt, nicht ausspricht und bearbeitet, wird sie dadurch nicht los. Vielmehr handelt er umso heftiger im Bann der Angst und bekämpft, was ihn fürchten lässt , ob er will oder nicht. Das sind in diesem Falle Frauen und eben jene Feministinnen, mit denen linke Männer eigentlich auf der gleichen Seite der Barrikade stehen, im selben Bett schlafen wollen.

Einen linken Mann, der Angst vor Feministinnen hat, erkennt man oft bereits daran, dass er einzelne von ihnen demonstrativ abfeiert: dafür, dass sie „not like the other girls“ sind, seiner Meinung nach nicht weich und verletzlich, eben richtig „auf die Fresse“ und immer gerade heraus. Im Gegensatz zu anderen Frauen, scheinen sie zu denken, verhalten diese Frauen sich endlich mal wie richtige Menschen. Es sind dann mitunter die selben Männer, die beinahe demonstrativ unterwürfig reagieren, wenn eine solche Feministin Kritik an ihnen äußert, statt an anderen Männern oder „dem Patriarchat“. Ein offenes Gespräch, einen konstruktiven Umgang mit der Verhaltensweise oder mit dahinter stehenden Gefühlen jedoch wird sie in dem Fall nicht erreichen. Demonstrative Unterwürfigkeit steigert sich, und das mag kontraintuitiv sein, in passiven Widerstand, unterschwellige Aggression und indirekten Boykott. Es ist die Angst vor der moralischen Macht von feministischen Frauen, die diese Männer so handeln lässt.

Die Alltagsbeobachtung, wonach gerade die Bewunderung der Bad-Ass-Feminists leicht kippen kann und die ich persönlich nur zu gut kenne, klingt erst ein mal paradox. Doch wenn man die Psychologie hinter derlei Umkehrungen nachvollzieht, hat man auch viel verstanden, was zwischen Frauen und Männern im Patriarchat insgesamt falsch läuft. Die banale Über- und Unterordnung der Geschlechter wird nämlich alltäglich mit komplizierten psychischen Abwehrmanövern und widersprüchlichen Gefühlen auf allen Seiten abgesichert.

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Überleben im Erste-Hilfe-Kurs: Mein Tag voller Männerwitze (supernova)

Eigentlich dachte ich, ich hätte es hinter mir gehabt. Doch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, konnte ich vor drei Jahren meinen Führer*innenschein nicht zu Ende machen. Jetzt, da ich noch mal ran musste, kam ich auch wieder in den Genuss eines Erste-Hilfe-Kurses des örtlichen Roten Kreuzes. Schreckensszenarien bauten sich vor meinem inneren Auge auf. Würde es wieder so schlimm werden? Mit dutzenden Jungmännern in einem Raum, von der Kursleitung mit dummen Anspielungen und Witzeleien über sexuelle Übergriffe aufgeputscht? Es kam, wie es kommen musste.

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Warum der Pocher-Diss der Antilopen nicht feministisch ist (Supernova)

Die Antilopen Gang hat einen Disstrack gegen den TV-Clown Oliver Pocher herausgebracht. Der hatte zuvor vor Publikum eine Influencerin gegen ihren Willen als ehemalige Prostituierte, eine andere als Pornodarstellerin geoutet. „Nicht cool“, fanden die Antilopen ganz zu recht – und setzten Pocher mit Rückgriff auf den guten alten Harald Schmidt einen „besseren“ Männlichkeitsentwurf entgegen. So führen sie das ewige Selbstgespräch von Männern darüber fort, wie man sich „richtig“ gegenüber Frauen verstellen muss, um von ihnen Aufmerksamkeit und Sex zu bekommen.

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Hass den Sexismus, aber hab gefälligst Sex (Supernova)

Könnte ich meinem 18-jährigen Ich eine einzige Nachricht senden, dann wäre es wohl: Die sexuell befreite, sexpositive, polyamouröse linke Szene aus deinen Träumen gibt es nicht. Mit Anfang 30 muss ich auf eine sehr ambivalente Zeit zurückblicken. Als ich damals von Zuhause fortging, dachte ich, damit auch einen Sehnsuchtsort zu erreichen, den ich mir so schön ausgemalt hatte.

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Unsere Autorin ist nonbinary und damit trans – und kommt trotzdem nicht drumrum, eine Frau zu bleiben (analyse & kritik)

Wenn mir danach ist – und das passiert nicht selten -, mache ich mir die Brust mit einem professionellen Binder für transgeschlechtliche Männer platt, verstecke meine Haare unter einer Schiebermütze, male meine Brauen dicht, wähle eine ausgeklügelte Kombi aus »männlichen« und »weiblichen« Kleidungsstücken und schaffe es so regelmäßig, als »männlich« wahrgenommen zu werden. Ich bin, in der Nomenklatur der genderqueeren Szene, gender fluid und femme.

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Kill Bill (der Freitag)

„Wenn ‚Mausi‘ plötzlich Zähne zeigt“ hieß Anfang November ein Artikel in der Neuen Braunschweiger. Die „Fahrschulgemeinschaft Braunschweig“ habe sich etwas ausgedacht, um „den guten Ruf der Branche zu retten“: Kung-Fu. Der Ruf ist ruiniert, weil mehrere Medien seit einem Jahr über mutmaßliche sexuelle Übergriffe durch Fahrlehrer berichten. Eine Fahrschülerin hatte sich zur Wehr gesetzt und der Stadt eine Debatte über ihre Erfahrungen aufgezwungen.

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Emma allein gegen die Depression (nd)

In einer neuen Tagesklinik in Treptow-Köpenick kämpfen sich Kinder zurück in ihr Leben

Statt in die Schule, in die sie sowieso nicht mehr gegangen ist, kommt Emma* jetzt seit einer Woche jeden Tag in die Tagesklinik. Hier soll die 14-Jährige lernen, wieder aktiver am Leben teilzunehmen und sich nicht von ihren Ängsten lähmen zu lassen. Vor Kurzem hat der Klinikkonzern Vivantes sein psychiatrisches Angebot in der Stadt um eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche erweitert. In Treptow-Köpenick stehen nun 16 Plätze für junge Menschen bereit, die aus einem oder mehreren ihrer drei Lebensbereiche herausgefallen sind: Familie, Schule, Beziehungen.