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Unsere Autorin ist nonbinary und damit trans – und kommt trotzdem nicht drumrum, eine Frau zu bleiben (analyse & kritik)

Wenn mir danach ist – und das passiert nicht selten -, mache ich mir die Brust mit einem professionellen Binder für transgeschlechtliche Männer platt, verstecke meine Haare unter einer Schiebermütze, male meine Brauen dicht, wähle eine ausgeklügelte Kombi aus »männlichen« und »weiblichen« Kleidungsstücken und schaffe es so regelmäßig, als »männlich« wahrgenommen zu werden. Ich bin, in der Nomenklatur der genderqueeren Szene, gender fluid und femme.

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Kill Bill (der Freitag)

„Wenn ‚Mausi‘ plötzlich Zähne zeigt“ hieß Anfang November ein Artikel in der Neuen Braunschweiger. Die „Fahrschulgemeinschaft Braunschweig“ habe sich etwas ausgedacht, um „den guten Ruf der Branche zu retten“: Kung-Fu. Der Ruf ist ruiniert, weil mehrere Medien seit einem Jahr über mutmaßliche sexuelle Übergriffe durch Fahrlehrer berichten. Eine Fahrschülerin hatte sich zur Wehr gesetzt und der Stadt eine Debatte über ihre Erfahrungen aufgezwungen.

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Die Nation ist ein Kerl (der Freitag)

Schland Wenn Claudia Neumann die Fußball-WM kommentiert, bekommt sie die volle Männlichkeit des Heimatstolzes zu spüren.

Inzwischen haben es wohl alle gemerkt: Mit Claudia Neumann hat das ZDF eine weibliche Live-Kommentatorin für Nationalspiele im Reporterteam. Nicht erstmals, denn sie kommentierte bereits 2016 Spiele der Herrenfußball-EM. Trotzdem ist die Empörung so groß, dass auch die Twitter-Welt jenseits des Fußballs davon Wind bekommt: Timelines und Kommentarspalten schwellen mit frauenfeindlichen Wutausbrüchen an. So stark, dass das ZDF während der Arbeit der Reporterin extra mehr Social-Media-Redakteure zur Moderation vor die Computer setzen musste

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Emma allein gegen die Depression (nd)

In einer neuen Tagesklinik in Treptow-Köpenick kämpfen sich Kinder zurück in ihr Leben

Statt in die Schule, in die sie sowieso nicht mehr gegangen ist, kommt Emma* jetzt seit einer Woche jeden Tag in die Tagesklinik. Hier soll die 14-Jährige lernen, wieder aktiver am Leben teilzunehmen und sich nicht von ihren Ängsten lähmen zu lassen. Vor Kurzem hat der Klinikkonzern Vivantes sein psychiatrisches Angebot in der Stadt um eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche erweitert. In Treptow-Köpenick stehen nun 16 Plätze für junge Menschen bereit, die aus einem oder mehreren ihrer drei Lebensbereiche herausgefallen sind: Familie, Schule, Beziehungen.

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Im Sozialamt diskriminiert (nd)

SPD lehnt Gesetzentwurf der Grünen zum Schutz vor Benachteiligung ab

Die SPD-Landtagsfraktion weist einen von den Grünen gemachten Vorschlag für ein Gesetz zurück, das den Diskriminierungsschutz auf staatliche Akteure ausweiten sollte. Das bedauert der Verein »Opferperspektive«, der eine Diskriminierungsberatung betreibt. Die Grünen sind enttäuscht. Ihr bereits im Sommer 2016 eingebrachter Gesetzentwurf habe unter Experten ein positives Echo hervorgerufen, sagen sie. Die SPD wiederum stützt sich auf die Kritik der Kommunen: Die hätten das Gesetz als »Bürokratiemonster« gefürchtet.

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Neuer Kopftuchstreit vor Gericht (nd)

Eine von zwei Bewerberinnen für Lehrerstellen nimmt Entschädigungszahlung an

Zwei Monatsgehälter, umgerechnet 6915 Euro – so viel beziehungsweise wenig Geld sollte Abeer K. aus der Landeskasse erhalten, vorausgesetzt, sie geht nicht weiter gegen das Land Berlin vor. Von dem wollte sie Anfang des Jahres gerne als Quereinsteigerin in den Schuldienst für die Fächer Informatik und Mathematik eingestellt werden, denn hier mangelt es an regulären Lehrkräften. Darüber, woran es gescheitert ist, besteht jedoch Uneinigkeit: Sie und ihre Mitklägerin sollen nach einem Casting im Januar beiseite genommen worden und befragt worden sein, ob sie das Kopftuch im gymnasialen Schuldienst auch weiterhin tragen würden. Als sie das verneinten, sollen sie, so erzählt es K., nie wieder Post über den Stand ihrer Bewerbung erhalten haben.

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Unis tun sich manchmal schwer mit ihren Purschen (friedrichs wilhelm)

2015 wurde die Jubiläumsfeier der Bochumer Ruhr-Uni von Protesten überschattet

Man dulde keine fremdenfeindlichen, rassistischen oder rechtsextremen Tendenzen, keinen Links- oder Ausländerextremismus, keine frauenfeindliche oder sexistische Propaganda auf der 50-Jahr-Feier, so hatte es in der „Streckenordnung“ der Bochumer Ruhr-Universität letztes Jahr geheißen. Doch unter den 1200 Ständen, die dann die Route zwischen der Uni und der Bochumer Innenstadt säumten, waren auch solche diverser Burschenschaften. Das hatte bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten für Protest unter Studierenden und Mitarbeiter_innen der Universität gesorgt. Als sich die Universitätsleitung auf die Forderungen nach Ausschluss der problematischen Gruppen, unter ihnen etwa die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum, Mitglied im rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“, nicht einließ, kündigten diverse Gruppen Protest an.

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Selbstverteidigungssystem Krav Maga (friedriches wilhelm)

Ich habe mich würgen und boxen lassen, um für den Ernstfall zu proben

Krav Maga ist der neue Hype. Überall sprießen kleine Schulen aus dem Boden. Man kann im TV einem Sanitäter dabei zusehen, wie er in voller Arbeitsmontur in einer gestellten Szene in eine Kneipe gerufen und dort von einem Aggressor attackiert wird – und wie er sich erfolgreich in dieser Umgebung dagegen wehrt. Carolin Kebekus tänzelt und schreit auf dem Bildschirm vor sich hin – und tritt dem Angreifer in die durch eine Pratze geschützten Eier. Grund genug für den friedrichs wilhelm, den neuen Trendsport einmal auszuprobieren.

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Türkisch-Rechtsaußen an westdeutschen Unis (friedrichs wilhelm)

Nationalist_innen und Islamist_innen sorgen für Zündstoff

Sorgen machen mussten sich in den letzten Wochen vermehrt studentische Initiativen, ASten und Rektorate, denn in ihren Räumlichkeiten machen vermehrt türkeiorientierte Gruppen vom rechten Rand auf sich aufmerksam. So kam es bei einem Vortrag an der Universität Köln zu Tumulten, zum Besten gegeben wurden fragwürdige Thesen über einen Überfall auf die Osmanische Bank in Konstantinopel im Jahre 1896. Das Brisante: der Referent Şahin Ali Söylemezoğlu ist nicht nur Hobbyhistoriker, sondern auch Leugner des Genozids an den Armenier_innen. Kurz darauf trat er bei einem Podium in Köln auf – auch hier gegen Proteste. In Bielefeld bot eine AKP-nahe Studierendenvereinigung dem Konvertiten Andreas Abu Bakr Rieger mit ebenfalls fragwürdigen Ansichten zum Thema „Genozid“ ein Podium und kurz zuvor stellte die Millî-Görüş-nahe Hochschulgruppe Diwan ihre geistigen Vorbilder in einer kleinen Ausstellung vor – darunter namhafte Antisemiten und der Gründer der Muslimbruderschaft.