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Jeja nervt: Ich komme mit Assisprache in deine Schriftkultur (nd)

Vor einigen Wochen erschien hier meine Glosse in Solidarität mit den Bildungszielen der deutschen Bullerei. Doch einigen Leser*innen schien das Gefühl zur Sache abzugehen und so beklagten sie teils in grobschlächtigem Vokabular: Wer das Wort »Bulle« in den Mund nehme, beweise mangelnde Sprachkompetenz. Das ist interessant. Weil das natürlich ein Missverständnis über das Wesen von kompetentem Sprachgebrauch ist, das zu vermeiden gewesen wäre, hätte man sich – Sie ahnen es: mal ein wenig Sprachkompetenz angeeignet.

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Jeja nervt: Ich komme mit Plänen in dein Fachwerkdorf (nd)

Gorleben ist raus aus dem Rennen um das sogenannte »Endlager« für strahlenden Atommüll. Das hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung kürzlich bekannt gegeben. In der Region zwischen Berlin und Hamburg freuen sich gerade viele Leute, die teils seit 40 Jahren gegen die Verklappung des nationalen Atomschrotts in der niedersächsischen Provinz gekämpft hatten. Klar, in der Zwischenzeit sind die Bärte länger, das Kopfhaar loser und die politischen Ideen wirrer geworden. Doch seit der Besetzung einer Tiefbohrstelle, die 1980 als »Freie Republik Wendland« in die Geschichte der Anti-Atom-Bewegung eingegangen ist, haben sich im Landkreis viele Linke und Alternative niedergelassen.

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Jeja nervt: Ich komme mit Böllerverbot auf deine Silvesterparty (nd)

Im Jahr 2020 ergibt sich eine historische Chance: Bislang konnte kaum ein vernünftiges Argument, kaum eine Statistik und auch keine Studie zu den Leuten durchdringen, wenn es um die liebe Sprengstoffsause zu Silvester geht. Eklatante Feinstaubemissionen? Who cares! Testosterongeladene Jungs, die sich bereits am 30. Dezember die Hände wegsprengen und in der Notaufnahme stolz »Das war es wert!« rufen? Ist ein freies Land. Sogar die bisweilen inzestuös anmutende Liebe der Deutschen zu ihren Hunden, die sich zu Silvester panisch zu Hause verbuddeln, gilt einmal im Jahr als vernachlässigbar.

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Jeja nervt: Danke für nichts, Berlinale! (nd)

Die Berlinale entschied, im Jahr 2021 die Kategorien »Bester Darsteller« und »Beste Darstellerin« abzuschaffen und vermeintlich »genderneutral« zu werden. Was zunächst wie ein Meilenstein auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit klingt, ist jedoch mehr als problematisch. Als der Streit um den neuen Berliner Weg gerade an Fahrt aufnahm, zeigten ausgerechnet die Oscar-Macher*innen in den USA, wie es besser geht.

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Die Plansche ist tot, sie lebe hoch! (nd)

Wo inmitten Plattenbauten Kinder im kühlen Nass tobten, herrscht heute Wilder Westen

Ich werde zum brachliegenden Wasserspielplatz in die Weydemeyerstraße geschickt. An der alten Kinderplansche nördlich der Karl-Marx-Allee, die zwischen üppigem Grün mitten im Wohnblock liegt, klärt ein Schild freundlich über die hier geltenden vier Regeln auf: keine Hunde ohne Leine, keine Fahrräder, nicht rauchen und nicht saufen. Abseits der Bauzäune, die die durchwucherten Beckenplatten eingrenzen, sitzen auf den Bänken zur Mittagszeit zwei Anwohner um die 50. Die beiden schaffen es spielend leicht, ohne jegliche Anstrengung, alle vier Gesetze zu brechen.

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Der Dezember ist der Monat aus der Hölle (friedrichs wilhelm)

… zumindest, wenn man aus einer postchristlichen Familie stammt

Angekündigt wurde es bereits Ende November: Herausragend schlechte Memes im WhatsApp-Chat der Familie, versendet von Müttern 50+, verkündeten: Advent, es ist Advent. In diesem Falle der erste. Schritt für Schritt dann wurden die Daumenschrauben dieser Jahreszeit des sozialen Zwangs fester gezogen – Doodle-Links des Grauens, mit denen man auszuklamüsern hat, wann jeweils eine der gefühlt zehn Weihnachtsfeiern des Betriebs, des Vereins oder des Instituts stattfinden könnte. Je stärker die Liebe in den Herzen, desto dicker der Adresskalender, desto stärker der Termindruck.